DAS BÖSE BRINGT DEN TOD – eBook – von Theo Gitzen

(3 Kundenrezensionen)

3,49

Ein spannender Thriller!
Das Buch erzählt die Geschichte einer Bäckerfamilie in einer Zeit von wirtschaftlichem Aufschwung, der Zerstörung durch den Bürgerkrieg und der Flucht in eine fremde Welt. Von Liebe, Leid, Mord und Erpressung und dem Verlust bester Freunde durch skrupellose Gangster, auf der Jagd nach dem Geheimnis der „Magic Pizza“.
Als sie glaubten dem Schlimmsten entgangen zu sein, holte das Böse sie ein und brachte den Tod mit nach Deutschland

 

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Beschreibung



Leseprobe
1.

Die Vorgeschichte
Alles begann 1939 in einer kleinen Seitenstraße des Sahat an-Nadschma Platzes inmitten des Zentrums von Beirut.
Es war eine kleine, lebhafte, aber auch schmutzige Straße, die „Mar Antonios“. Viele Häuser waren in sehr schlechtem Zustand und jeder der in dieser Straße wohnte, versuchte sich so gut es ging einzurichten. Es war eine bunte Mischung aus Menschen die in dieser Straße wohnten und Menschen die damit beschäftigt waren ihre kleinen Läden und Werkstätten zu unterhalten, um sich so eine eigene Existenz aufzubauen. Die meisten jedoch lungerten arbeitslos und ohne Perspektive einfach nur herum und warteten darauf, dass Jemand vorbeikommt und ihnen Arbeit gibt.
Das Zentrum der kleinen Straße jedoch war Alis-Kaffeestube.
Hier traf sich alles und jeder, der irgendwie auf der Suche nach „Geldverdienen“ war. Der wirkliche Boss jedoch war Machmud, ein 30jähriger, fast hundert Kilo schwerer und immer gries-grimmig dreinschauender Syrer, der vor einigen Jahren mit seinem Familienclan nach Beirut gekommen war. Machmud hatte schnell erkannt, dass er mit der Armut der Leute richtig reich werden konnte. Seinem Familienclan gehörte die halbe Straße und wer hier ein Geschäft machen oder gar aufmachen wollte, musste sich erst das Einverständnis von Machmud einholen.
Machmud kontrollierte in dieser Straße so gut wie alles und jeden. Leuten die ein Geschäft aufmachen wollten, gab er problemlos einen Startkredit, dafür mussten sie jedoch einen nicht unerheblichen Teil ihrer Einnahmen abgeben. Wer keine Arbeit hatte, fand sich bald als „Beschaffer“ für Machmud eingesetzt. Wer dennoch hier lebte und nichts mit Machmud zu tun haben wollte, machte am besten einen großen Bogen um ihn und Alis Kaffeestube. Zu den wenigen, die sich bis dato Machmuds Clan entziehen konnten, gehörten auch Halim und Fadi.
Halim lebte immer noch im Haus seiner Eltern wo er 1933 geboren wurde. An seinen Vater konnte er sich nicht mehr erinnern. Schon früh war er an TBC gestorben. Seine Mutter, Kadisha, verdiente sich ihr Geld mit Nähen für eine kleine Schneiderei am Ende der Straße. Es war ein harter Job und der Schneidermeister war streng. Halim konnte sich noch gut daran erinnern, dass er schon als kleiner Junge für den Schneider Sachen ausgetragen hatte oder seiner Mutter half, Nähgarn auf die Spulen zu wickeln.
Jeder in der Straße kannte den kleinen Halim. Sah er nicht nur mit seinen schwarzen Löckchen und seinen großen Kulleraugen süß aus, er hatte auch die Gabe jeden mit seinem Lächeln, schnell auf seine Seite zu ziehen. Halim streunte jeden Tag, wenn er nicht für Mutter oder den Schneider arbeitete, durch die Geschäfte, setzte sich zu den Erwachsenen und beobachtete alles ganz genau. So lernte er, auch ohne Schule, worauf es im Leben ankommt, um was er einen Bogen zu machen hatte und was ihn weiterbringen würde.

2.
Die Freundschaft
Es war an einem diesigen Tag im September 1939
Halim hatte mal wieder für den Schneider Sachen ausgetragen und anschließend in Alis Kaffeestube seinen Tee getrunken, den ihm Ali jedes Mal gab, weil er zwischendurch die Treppe, die immer voller Sand war, fegte, als plötzlich diese fremde, anders aussehende Frau mit dem kleinen blonden Jungen an der Hand, die Kaffeestube betrat. Halim sah, wie sich alle Männer zu der Frau umdrehten. In einem harschen Ton fragte Ali die Frau.
„Was willst du hier“ und noch barscher fügte er hinzu „hier haben Frauen nichts verloren. Mach schnell das du rauskommst!“
„Komm“ sagte die Frau zu ihrem Jungen. Und Ohne ein Wort zu verlieren verließen sie die Kaffeestube.
Halim, der das alles beobachtet hatte, stand auf und lief den beiden hinterher. Zu sehr faszinierte in die Frau mit dem kleinen Jungen, als das er hätte sitzen bleiben können.
„Wo wollt ihr hin?“ – fragte er die Frau als er sie erreicht hatte.
Der kleine, blonde Junge schaute Halim mit seinen klaren, blauen Augen an.
Lächelte er – fragte sich Halim, als plötzlich die Frau ihm in gebrochenem arabisch antwortete.
„Wir sind auf der Flucht vor den Nazis aus Deutschland, das ist weit weg“.
„Fadi“ – sie blickte auf den kleinen blonden Jungen mit den hellblauen Augen an ihrer Hand – „und ich – wollen weiter nach Palästina. Jetzt brauchen wir aber erst einmal eine Bleibe.
Verstehst du?“
Halim verstand – Plötzlich nahm er die Hand der Frau
„Komm mit“ – sagte er.
Verstohlen schaute er immer wieder auf die Hand und in die weißen Gesichter der beiden. Helle Haare und blasse Gesichter hatte er noch nie gesehen. Auch ihre Hand fühlte sich so zart und weich an und die blauen, strahlenden Augen des Jungen faszinierten ihn, hatten doch hier alle nur dunkle Augen.
Wortlos gingen sie die Straße hinunter, bis zu der kleinen Schneiderei in der seine Mutter arbeitete. Halim legte seinen Zeigefinger quer über seine Lippen und gab den beiden zu verstehen, dass sie hier auf ihn warten sollen. Dann verschwand er in der Schneiderei. Als seine Mutter ihn bemerkte, deutete er auch ihr an, dass sie leise sein solle. Sie schaute ihn mit großen Augen an. Flüsternd fragte sie Halim- „was ist los mein Sohn?“
„Ist der Meister da?“ Sie schüttelte den Kopf.
Sichtlich erleichtert blickte Halim seine Mutter an.
„Da draußen steht eine Frau mit einem Jungen und braucht ein Bett.“
Kadisha schaute ihren Sohn mit gerunzelter Stirn an.
„Was?“- fragte sie, hatte sie doch keinen blassen Schimmer was Halim mal wieder ausgeheckt hatte. Als dieser sie daraufhin an die Hand nahm und nach Draußen zog. Da standen sie. Eine blonde Frau, mit ihrem blonden kleinen Jungen. Sie schienen zu frösteln und sahen auch ein wenig ängstlich aus. Kadisha wusste nicht so recht wie sie sich verhalten sollte, als die blonde Frau plötzlich die Hand ausstreckte und mit einem Lächeln sagte:
„Ich bin Maria und das ist mein Sohn Fadi. Wir beide kommen aus Deutschland und sind auf der Flucht vor den Nazis. Meinen Mann haben sie noch in Berlin verhaftet und weggeschleppt. Wir konnten gerade noch so mit einem Geschäftsmann, der uns als Frau und Sohn ausgab, aus Berlin fliehen. Joshua, mein Mann“- ergänzte sie – „ist Jude, hat aber mit den Libanesen für eine palästinensische Firma Geschäfte gemacht. Deshalb sprechen wir auch ein wenig Arabisch. Jetzt sind wir auf dem Weg nach Palästina, weil dort sein Onkel wohnt und wir dort in Sicherheit sind“.
Ohne sich umzuschauen, nahm Kadisha Marias Koffer.
„Kommt“ – sagte sie „Ihr könnt erst einmal bei uns wohnen.“ Und an Halim gewandt. „Du wartest hier, bis der Meister wieder da ist, dann sagst du ihm mir wäre nicht gut und ich wäre nach Hause gegangen. Sobald es mir wieder besser gehen würde, käme ich wieder“.
„Hab verstanden- Mama“ – antwortete Halim.
Auf einem Umweg und durch die Fluchtgasse – so nannten sie die kleine Gasse hinter ihrem Haus, betraten sie ohne gesehen zu werden das Haus durch den Hintereingang.
„Entschuldigt“ sagte Kadisha zu Maria, „ich habe noch nicht aufgeräumt und kalt ist es auch noch“.
„Das macht doch nichts“ – antwortete Maria. „Bei mir sieht es normalerweise auch nicht anders aus“.
Beide Frauen lächelten sich an und in ihren Augen war eine wohltuende Sympathie zu sehen. Während Kadisha das Feuer im Ofen anzündete und einen Tee kochte, erzählte ihr Maria ihre Geschichte.
„Erst haben sie Joshuas Eltern, dann seinen Freund und zuletzt auch noch ihn abgeholt und verschleppt. Wir, damit meine ich Fadi und mich, sind dann Hals über Kopf geflohen. Wie es jetzt weiter gehen soll weiß ich auch nicht“.
„Mach dir keine Sorgen“ – sagte Kadisha und goss den Tee in die kleinen Gläser. „Ihr könnt – wenn ihr wollt, erst einmal ein paar Tage hier bei uns bleiben. Schließlich haben wir Platz genug“.

Aus den paar Tagen wurden Jahre. Halim und Fadi freundeten sich schnell an. Und Halim führte Fadi bei seinen Freunden und wichtigen „Geschäftspartnern“- so nannte er die Inhaber der Geschäfte, wo er ab und zu half und wo er sich einiges abgucken konnte, ein. Nur um Alis Kaffeestube machte Halim ab jetzt immer einen weiten Bogen, wollte er doch Machmud und seinen lästigen Fragen auf keinen Fall begegnen. Schnell waren Halim und Fadi in der ganzen Gegend als „shukulata-aljuza“ – die Schokoladen-Zwillinge bekannt. Um sie aber noch genauer zu unterscheiden – als hätte man es nicht sehen können, bekamen beide noch einen Zusatznahmen. Halim nannten sie „Alju-mus“ für der „schwarze Zwilling“, und Fadi „Alju-muz“ für der „weiße Zwilling“. Anfangs nervte es sie sehr, doch von Tag zu Tag wuchs ihr Stolz, waren sie doch mittlerweile unzertrennlich und ergänzten sich in allem was sie taten. Sie entwickelten sich nach und nach zu einem perfekten Team. Und was sie nicht mit ihrer Cleverness erreichten, dass erreichten sie mit ihren großen, Kulleraugen.

3.
Die erste große Liebe

Maria und Fadi wohnten nun schon etwas über 10 Jahre bei Kadisha und Halim im Haus. Maria hatte genauso wie auch die beiden Jungen, Arbeit in der nahegelegenen Markthalle gefunden. Es gab zwar nicht viel zu verdienen, aber es war eine schöne Ergänzung zu Marias Gespartem, was sie noch aus Deutschland hatte retten können. Kadisha arbeitete nach wie vor in der kleinen Schneiderei.
Eigentlich war alles in Ordnung. Komischerweise hatte sie auch Machmud in Ruhe gelassen. Bis zu dem Tag, als Halims Hormone begannen verrückt zu spielten.
Sie waren nun beide siebzehn und Halim war ebenso wie auch Fadi mitten in der Pubertät. Hatten sie bis dato nur Jungs interessiert, so schauten sie jetzt doch öfter den Mädels hinterher, die für ihre Familien bzw. ihre Herrschaften einkauften. So auch an einem Tag im Juli, als Halim glaubte im Boden versinken zu müssen. Er war gerade damit beschäftigt, aus einem großen Sack, Kichererbsen in kleinere Säcke umzufüllen, als er diese durchdringend süße Stimme vernahm, die ihn von hinten mit den Worten- „Ich hätte auch gerne eine Tüte voll Erbsen – „Alju-Mus“, direkt ansprach. Erschrocken drehte er sich um und schaute in zwei wunderschöne Mandelaugen. Wie versteinert stand er da, leicht nach Fassung ringend stotterte er- „wo, woher weißt du meinen Namen“.
Sie lächelte ihn mit ihren kleinen Grübchen an.
„Wer kennt den nicht?“- fragte sie zurück.
Halim lief rot an. Sein Herz pochte so stark, dass er glaubte sie könnte es hören. Unentwegt schaute er sie an.
„Willst du mir keine Erbsen abfüllen“- fragte sie ihn und lächelte erneut. Wie in Trance füllte ihr Halim die Erbsen in den mitgebrachten kleinen Eimer.
„Gib schon her – kleiner süßer Alju-Mus“. Dann drückte sie ihm ein Geldstück in die Hand und verschwand.
Fadi der das alles nicht mitbekommen hatte, sah Halim da- stehen als wäre er aus Stein.
„Was ist denn mit dir los? Bist du dem Teufel begegnet oder warum steht dein Mund so weit offen?“
Erst jetzt registrierte Halim, dass sein Mund weit geöffnet war. Schnell schloss er ihn
„Nicht der Teufel- sondern ein Engel in Person ist mir erschienen“.
Seit diesem Tag war Halim wie aufgedreht. Täglich suchten seine Augen die Markthalle ab, doch nirgendwo konnte er sie entdecken. Bis zu dem Tag als sie plötzlich vor ihm stand und ihn mit dem bezauberndsten Lächeln was er jemals gesehen hatte, anschaute und ohne Umschweife fragte- „hast du heute Nachmittag Zeit, kommst du mit an den Strand oder kannst du nicht schwimmen“.
„Äh“- es dauerte eine kleine Weile, bis er ihr antworten konnte. „Klar komme ich! Und dann will ich mal sehen ob du schwimmen kannst“. Beide lachten.
„Hast du sie gesehen“- fragte er Fadi atemlos, der vom Nach-barstand aus mitbekommen hatte, wie sie Halim ansprach und auch ihm war dieses Süße lächeln aufgefallen.
„Klar habe ich sie gesehen“
„Und“ – bohrte Halim – „was sagst du“-
„Ein bisschen wenig dran. Dachte du stehst auf kleine Dicke“ – fügte Fadi hinzu. Halim griff in den Sack mit den Kichererbsen und warf Fadi eine Handvoll ins Gesicht. Beide lachten laut.
Halim wusste nicht wie er den Arbeitstag herumgebracht hatte. Eigentlich wusste er gar nichts mehr. Zu sehr war er mit dem Gedanken an das hübsche Mädchen mit den großen Augen und dem süßen Lächeln beschäftigt, als dass er noch an irgendetwas anderes denken konnte.
Auch Halima ging es nicht anders. Nur war sie viel zielstrebiger als Halim. Seit sie ihn zum ersten Mal gesehen hatte, war ihr Herz in Aufruhr. Auch wenn sie es gegenüber ihrer Schwester Elena nicht zugeben wollte, so war sie doch sehr aufgeregt.
„Er hat soooo süße Augen und ein sooo schönes Stottern. Ich glaube er liebt mich“.
„Du spinnst“ sagte Elena- „woher willst du das jetzt schon wissen, du kennst ihn doch gar nicht“.
„Noch nicht“ lachte Halima- „aber heute Nachmittag!“.
„Ich komme mit“ rief Elena- „einer muss ja auf dich aufpassen“.
Das aus dem Aufpassen nichts wurde, lag daran, dass auch Halim nicht alleine zum Strand kam. Halim hatte richtig Bammel allein zum Strand zu gehen. Zu groß war das Risiko, dieses hübsche Mädchen zu verlieren, obwohl er sie ja noch gar nicht besaß. Deshalb hatte er Fadi gefragt ob er mitkommen würde. Was soll ich denn da, auf euch aufpassen und wenn ihr euch küssen wollt, auch noch die Hand dazwischen halten, damit sie nicht schwanger wird. Lachte er.
„Ach komm doch mit. Schließlich sollst du mir sagen was du von ihr hältst“ – bohrte Halim.
„OK- dann lass uns mal losgehen! Sonst machst du dir noch in die Hose vor Nervosität“. – lachte Fadi.
Es war wenig los am Strand. Halima suchte gezielt einen Platz in der hintersten, fast menschenleeren Stelle und breitete ihr Handtuch aus.
„Was willst du denn hier“- fragte Elena- „hier wird er uns nie finden“
„Mach dir mal keine Sorgen. Der findet uns schon“.
Halim und Fadi bogen nach rechts von der Straße ab, zogen ihre Schuhe aus und betraten den Strand. Mach langsam sagte Fadi zu Halim der am liebsten losgerannt wäre. Sonst denkt sie noch du bist hinter ihr her. Das Halim nervös war, konnte Fadi daran erkennen, dass er im Gegensatz zu sonst, ununterbrochen am Reden war.
„Schau mal „- und er deutete mit einem Nicken in Richtung einer jungen Frau – „ist es die,- schau mal da- da liegt sie- Wie sehe ich aus…. bla bla bla.“
Fadi verdrehte die Augen- „man beruhige dich endlich“- sagte er etwas genervt in Richtung Halim.
Sie waren den ganzen Strand abgelaufen, doch nirgendwo lag Halims Traumfrau.
„Komm wir setzen uns da hinten in die Ecke zu den zweien die da liegen. Von dort haben wir einen guten Überblick, falls sie doch noch kommt“.
Halima hatte sich auf den Bauch gedreht und Elena beauftrag Ausschau nach ihrem „Traummann“ zu halten und sie frühge-nug zu warnen, falls er auftauchen sollte. Sie lagen schon fast 20 Minuten in ihren knappen Badeanzügen und ließen sich die Sonne auf die Haut scheinen.
„Wo bleibt der nur“ – fragte Elena.
Ihre Augen waren auf den gutaussehenden blonden Burschen gerichtet, der keine 20m entfernt mit seinem Freund auf dem Handtuch saß und geduldig zuzuhören schien, was sein schein-bar aufgeregter Freund ihm alles erzählte.
Der Wind trieb Gesprächsfetzen herüber … meinst du wirklich sie…. Ach kommt schon…. Ich bin so aufgeregt.
Wie toll sein weißes Haar in der Sonne glänzt. Und was er für eine tolle Figur er hat – dachte Elena und schaute unverhohlen und ohne es zu merken auf Fadi. Der hatte Elena ebenfalls bemerkt und fing seinerseits nun damit an, die Blicke von Elena zu erwidern.
„Und siehst du ihn?“- hörte sie Halima von weither fragen.
„Was- wen“- stotterte Elena ohne einen Blick von Fadi zu lassen.
„Man schläfst du?“ – fragte Halima und richtete sich auf.
Elenas Blick war abgewandt. Langsam folgte Halima diesem und landete automatisch bei Fadi und dem anderen Jungen auf der Decke. Mit einem Mal schien ihr Herz stehen zu bleiben. War der andere Junge, der mit den dunklen Haaren doch ihr „Alju-Mus“.
„Komm“ – da gehen wir jetzt hin, flüsterte sie Elena zu.
Unverzüglich stand sie auf, nahm ihr Badetuch und marschierte schnurstracks auf die beiden jungen Männer zu. Fadi sah wie die hübsche Halima mit schnellen Schritten auf sie zu kam. Noch bevor er Halim warnen konnte, schüttelte Halima wild ihr Handtuch vor beiden aus. Der Sand flog Fadi und auch Halim über Kopf und Körper. Halim drehte sich blitzartig um und wollte gerade einen lauten Fluch aussprechen, als ihm das Wort sprichwörtlich im Halse stecken blieb.
„Du“- stammelte er.
„Ja ich“ – antwortete Halima schnippisch und warf ihre langen schwarzen Locken mit einer bestimmenden Kopfbewegung gekonnt in den Nacken. Sie nickte in Fadis Richtung-
„Und wer ist das?“
„Das würde ich auch gerne wissen“ – schloss sich Elena, die mittlerweile neben Halima stand- dieser Frage an.
Halim bekam kein Wort heraus. Seine Augen klebten förmlich an Halima. Wie schön sie ist und wie sexy sie aussieht in ihrem knappen Badeanzug. Und diese Augen.
Fadi lächelte sie an, schaute zu Elena und antwortete, völlig unaufgeregt. „Ich bin Fadi – und das „- er deutete auf Halim, – „ist Halim mein etwas nervöser, aber bester Freund“.
Elenas Augen leuchteten. Nicht nur das Fadi gut aussah mit seinen blauen Augen, hatte sie doch noch nie solche leuchtenden Augen gesehen, die wie Diamanten funkelten, es war vielmehr seine Stimme, die sie sanft und liebevoll zu elektrisieren schien.
„OK – Das ist meine Schwester- äh – Zwillingsschwester Elena und ich bin Halima“.
Fadi lachte laut auf.
„Was lachst du“- fuhr ihn Elena an- „sind wir so lächerlich oder was ist los““.
Fadi prustete – und zeigte mit ausgestreckter Hand abwechselnd auf Halim und dann auf Halima.
„Halim und Halima – ist das nicht süß?“.
Augenblicklich liefen beide knallrot an. Fast schnippisch antwortete Halima
„Fadi und Elena – ist das nicht süß?“.
„Ja das ist süß“ – antwortete Elena und schaute Fadi mit strahlenden Augen an. Wie hübsch sie ist und wie sexy sie in ihrem knappen Badeanzug aussieht- dachte Fadi.
„Nun setzt euch schon“- sagte Fadi und bedeutete Elena sich neben ihn zu setzen. Halima setzte sich zu Halim und es entbran-nte ein lebhaftes- wer bist du, wo kommst du her, wie alt bist du….
Als die ersten informellen Punkte abgehakt waren, begann das, was zwischen Teenagern üblich ist. Fadi flüsterte mit Elena und Halim mit Halima. Und je näher man sich kam, umso weiter rückten beide Paare auseinander.
Es war ein langer Nachmittag und langsam tauchte die Sonne ins Meer um der Nacht Platz zu machen.
Es traf beide wie ein Donnerschlag, als Halima sagte, wir müssen jetzt aber los, schließlich waren ihre Hände doch gerade im Begriff sich zu berühren.
„Sehen wir uns wieder“ – Fragte Halim Halima
„Nö“ – antwortete Elena für Halima, warf, ähnlich wie vorhin Halima auch, ihre braunen Locken in den Nacken und schaute demonstrativ mit erhobenem Kopf in die andere Richtung.
„nur in der Markthalle“- ergänzte Halima.
Beide, sowohl Fadi als auch Halim schauten verdutzt drein und machten ein richtig bedröppeltes Gesicht.
Sie trauten ihren Ohren nicht. Da standen zwei wahre Engel- wie aus einem Ei. Schlank und bildschön und gaben ihnen, den „Königen des Viertels“ einen Korb!
Elena und Halima schauten sich ernst an, als sie plötzlich, prust-end in ein lautes Lachen fielen.
„Natürlich sehen wir uns wieder- jeden Mittwoch hier an diesem Platz“ – sagte Halima.
Beide warfen den Jungs eine Kusshand zu und liefen albernd und lachend zurück in die Stadt.
Die Jungs saßen noch lange am Strand und tauschten ihre Erlebnisse, wie sie das immer getan hatten, aus.
„Bist du verliebt?“ – fragte Fadi
Halim nickte. Sein ganzer Körper schien zu kribbeln
„Ja“ – das bin ich.
„Ich auch- und wie“
Für vier junge Menschen war es die wohl längste Nacht ihres Lebens. Aufgewühlt und voller schöner Gedanken und erotisch prickelnder Gefühle lagen sie wach und malten sich die schönsten Dinge aus, die man zu zweit nur machen kann.
„Was ist los mit euch“ – fragte Maria Halim eines Tages beim Abendessen – und Fadi zugewandt – „Irgendwas stimmt mit euch nicht“.
Es konnte nichts Schlimmes sein, denn die Jungs hatten dieses verschmitzte Lächeln im Gesicht, was sie immer hatten, wenn sie etwas ausheckten.
„Siehst du das nicht- Maria?“- fragte Kadisha – und mit einem ebensolchen verschmitzten Grinsen fügte sie hinzu – „verliebt sind sie!“
Wie vom Blitz getroffen liefen beide knallrot an.
„Stimmt das“ – Maria schaute abwechselnd von einem zum anderen.
„Ja sind wir“ – gestanden beide etwas kleinlaut, während ihre Augen strahlten, wie die aufgehende Sonne es nicht hätte besser machen können.
„Oh Gott“ – Maria schaute Kadisha an. Und mit einem verschmitzten Lächeln fügte sie hinzu – „da steht uns ja noch einiges bevor!“.
„Wer sind denn die beiden“ – fragte Kadisha mit einem ernsten Blick auf die beiden Jungs.
Wie aus der Pistole geschossen antworteten beide gleichzeitig – „Halima und Elena“.
„Oh Gott“ – stöhnte nun auch Maria. Das scheint eine ernstere Sache zu sein.

„Glaub ich auch“ bestätigte Kadisha Marias Worte.
Fadi und Halim erzählten ihren Müttern nun ausführlich wann und wo sie die beiden Mädchen kennengelernt hatten und wer sie sind und wo sie herkommen. Als es darum ging wie weit sie schon miteinander währen, fingen beide an zu schwärmen und erzählten vom ersten Kuss und dass sie sich immer heimlich am Strand oder auch in der Markthalle hinter dem großen Berg mit den Kichererbsen trafen.
„OK“- sagte Kadisha mit einem leichten Grinsen.- „Das reicht- sonst dreht ihr noch am Rad“.
„Also – ich schlage vor, ihr stellt uns die beiden vor und dann könnt ihr euch immer hier treffen und braucht euch nicht zu verstecken. – Bist du damit einverstanden?“ – fragte sie Maria.
Maria nickte. – „Ja das ist besser so“.
Erinnerte sie sich doch noch zu genau, wie umständlich und gefährlich es war, als sie ihren Joshua kennen und lieben gelernt hatte und wie sie sich das erste Mal in diesem dunklen und feuchten Keller geliebt hatten.
Schon am nächsten Tag erzählten Halim und Fadi aufgeregt ihren Freundinnen von dem Angebot ihrer Mütter, sich, wann immer sie wollten, bei ihnen im Haus zu treffen.
„Aber nur, wenn nichts „schweinisches passiert“ – sagte Elena und schaute die beiden mit einem ernsten Blick an.
Beide senkten gelichzeitig, demütig und schüttelnd ihre Köpfe. „Nein – niemals – versprochen“.
Ja- ja, dass kennen wir. Erst einmal alles versprechen und dann, wenn die Mäuse, damit meinte sie Halima und sie, in der Falle sind, dann gibt es kein Entrinnen mehr.
Fadi – sog tief die Luft ein
„Also – so etwas“ – sagte er mit einem, für alle erschreckend bestimmenden Tonfall, dass den beiden Mädels die Unterkiefer nach unten klappen ließ, „Komm Halim! Mit Mädels die solch eine Erfahrung haben, wollen wir nichts zu tun haben“.
Für Sekunden herrschte bedröppeltes Schweigen.
Dann schienen die Zwillingsschwestern und auch Halim kapiert zu haben, dass Fadi eine exzellente Retourkutsche gestartet hatte.
Es folgte ein schallendes Gelächter und die Paare neckten, kniffen und umarmten sich. Und ihre Herzen schienen so laut zu schlagen, dass jeder von ihnen glaubte, der andere könne es hören…

3 Bewertungen für DAS BÖSE BRINGT DEN TOD – eBook – von Theo Gitzen

  1. Thea Doll

    Super gut zu lesen! Spannend und immer wieder mit neuen Überraschungen.
    5 Sterne – gerne

  2. Heribert

    Gerade die Werbung gesehen und sofort gekauft. Jetzt nur noch die letzten 50 Seiten lesen. Aber bis dahin einfach klasse

  3. Ira T.

    Einfach spannend und toll geschrieben. Habe mich gleich an Opa erinnert. Der hat den Bürgerkrieg erlebt und oft davon erzählt.

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